News

Kontroverse um Dämmmaterial: Einstufung auf rechtlich gebotenes Maß reduziert

Mehr als 30.000 Euro nur an Entsorgungskosten? Das sind Summen, bei denen es vielen Eigenheimbesitzern schnell schwindelig werden dürfte: Wenn sich allerdings an den seit Anfang Oktober geltenden Entsorgungsregeln für HBCD-haltige Dämmstoffe nichts geändert hätte, wären Summen wie diese, insbesondere für die Besitzer der in den 70er-Jahren beliebten Flachdachbungalows, ein vollkommen realistisches Szenario im Falle einer Dachsanierung gewesen. Nun hat das Bundeskabinett Anfang Juni eine tragfähige Lösung auf den Weg gebracht.

Ursache der Krise im Herbst war die deutsche Abfallverzeichnis-Verordnung vom 4. März sowie zwei europäische Verordnungen gemäß denen Abfälle, die "persistente organische Schadstoffe", sogenannte POP, enthalten, so behandelt werden müssen, dass diese Schadstoffe zerstört werden. Das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan, kurz HBCD ist ein solches POP und galt daher seit dem 1. Oktober auch als Beimischung in Bauschutt als gefährlicher Abfall, wenn ein Grenzwert von einem Gramm pro Kilo überschritten wurde. Polystyrol-Dämmstoffe wie Styropor, die mit HBCD behandelt wurden, durften deshalb nur in bestimmten, besonders dafür zugelassenen Anlagen verbrannt werden. Solch ein Entsorgungsengpass trieb natürlich die Preise nach oben: Sofern es überhaupt noch eine Abnahme gab, verlangten Sondermüllverbrenner hohe vierstellige Beträge je Tonne Monofraktion. 

Nun hat das Bundeskabinett Anfang Juni eine langfristige Lösung auf den Weg gebracht: Die vom Bundesumweltministerium vorgeschlagene Verordnung sieht vor, dass die Abfälle künftig getrennt gesammelt werden müssen, aber zusammen mit anderen Abfällen direkt in Verbrennungsanlagen entsorgt werden, wenn der Weg dorthin nachgewiesen werden kann. Bereits im Dezember hatte das Kabinett ein einjähriges Moratorium beschlossen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist nun zuversichtlich, dass der Bundesrat der Verordnung zeitnah zustimmen wird, und sie noch in diesem Sommer in Kraft tritt. Ein Kernpunkt ist neben der getrennten Sammlung, dass die POP-haltigen Abfälle nur noch dann als "gefährlich" eingestuft werden, wenn ein von der EU festgeschriebener Grenzwert überschritten wird. Der Branchenverband BDE begrüßte den "gelungenen Verordnungsentwurf". „Die Einstufung von POP-haltigen Abfällen als gefährliche Abfälle wurde auf das EU-rechtlich gebotene Maß reduziert", so BDE-Präsident Peter Kurth. HBCD werde dadurch auch in Zukunft als „nicht gefährlicher“ Abfall eingestuft.